Die nachfolgende Projektdarstellung beruht ausschließlich auf einer Selbstbeschreibung des Projekts und wird von diesem verantwortet. Für eventuelle Rückfragen und Hinweise stehen die ausgewiesenen Kontaktpartner zur Verfügung.
Demenzfreundliche Kommune Gießen
Deutschland, Hessen:
Gießen (72.000 Einwohner)
- Handlungsfeld(er)
- Projektbeschreibung
- Beitrag zur lokalen Nachhaltigkeit
- Zeit- und Arbeitsplan
- Stand der Arbeiten
- Zielgruppe
- Genderaspekt
- Finanzierung
- Projektträger / Projektbeteiligte
- Laufzeit
- Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation
- Ansprechpartner
- Stand der Information
- Demographischen Wandel gestalten
Anlaß
Der demographische Wandel hat die Altersstruktur der Bevölkerung verändert und stellt damit unsere Gesellschaft auf Dauer vor große Herausforderung. Heute schätzt man die Anzahl der Menschen mit Demenz in Deutschland auf 1,1 Millionen, bis zum Jahr 2020 rechnet man mit einem Anstieg auf 1,5 Millionen betroffenen Menschen.
Auf der Ebene der Kommune ist eine wachsende Zahl von Menschen mit Demenz zu verzeichnen, die auf institutionelle Versorgung angewiesen sind. Betroffene und Angehörige sehen sich nach wie vor damit konfrontiert, daß das Thema Demenz eher tabuisiert, als offen angesprochen wird. Menschen mit Demenz werden sozial isoliert, können am alltäglichen Leben kaum noch teilnehmen. Entscheidend für die Verbesserung der Lebenslage der Menschen mit Demenz wird sein, inwieweit es gelingt, mit Hilfe des Engagements vieler Menschen die Selbständigkeit und Akzeptanz der Betroffenen zu stärken und sie in die Gemeinschaft der Kommune zurückzuholen.
Menschen mit und ohne Demenz treffen tagtäglich an vielen Orten aufeinander - in der Familie, in speziellen Einrichtungen der Pflege und Betreuung, aber auch auf der Straße und beim Einkauf, in der Nachbarschaft, in öffentlichen Einrichtungen und Behörden. Es sind keineswegs nur die familiär oder beruflich Pflegenden, die in Kontakt mit demenziell erkrankten Menschen kommen, sondern viele andere auch: der Bäcker an der Ecke, die Sprechstundenhilfe, der Feuerwehrmann oder der Polizist, der gerufen wird, wenn ein älterer Mensch desorientiert umherirrt. Und häufig kommen die Gesunden mit diesen Situationen nur schlecht zurecht.
Demenz ist also kein Thema, das wir den Spezialisten aus Medizin, Pflege und Forschung überlassen können. Demenz geht uns alle an, denn schließlich
- kann jeder und jede von uns selbst einmal an einer Demenz erkranken;
- können Menschen in unserem direkten familiären und sozialen Umfeld von einer Demenz betroffen werden;
- sind Menschen mit Demenz nicht nur pflege- und hilfebedürftige Kranke, sondern Bürgerinnen und Bürger dieses Staates und unserer Kommunen - so wie wir auch!
- konfrontiert uns die Krankheit mit wichtigen Fragen zu unserem Umgang mit dem Alter, über die Endlichkeit des menschlichen Daseins und in Bezug auf unsere Haltung gegenüber Gesellschaftsgruppen, die in besonderer Weise auf unsere Fürsorge angewiesen sind.
Vorgeschichte/Entstehung
Seit dem Jahr 2004 sind rund 70 Experten aus verschiedensten Bereichen unter dem Motto "Gemeinsam für ein besseres Leben mit Demenz" zusammengekommen. Die Robert Bosch Stiftung hat diese Aktivitäten gefördert und die Möglichkeit zur Weiterführung in anderer Form geschaffen. So ist aus dieser Initiative der Verein "Aktion Demenz" entstanden, der sich in Zusammenarbeit mit Anderen (Alzheimer Gesellschaft etc.) dem Thema Demenz in neuer Weise widmen will.
"Es geht um die Erfindung neuer Netze der Freundschaft und darum, Menschen mit Demenz vor allem als Mitbürger anzusehen." (Prof. Dr. Dr. Gronemeyer)
Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen für Menschen mit Demenz in Deutschland vor allem durch zivilgesellschaftlichen Dialog zu verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei die Aufhebung der Stigmatisierung des Themas "Demenz".
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt begrüßte die Initiative und wies anlässlich der Gründungsveranstaltung der Aktion Demenz in Berlin darauf hin, wie wichtig es sei, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen und die Betreuung altersverwirrter Menschen zu verbessern.
Inhalte/Ziele
Was definiert ein demenzfreundliches Umfeld? - Das muss in Einzelheiten erst noch herausgefunden werden und wird als gemeinsames Projekt von Betroffenen, von Angehörigen, beruflichen Experten, politisch Verantwortlichen und bürgerschaftlich Engagierten zu erarbeiten sein. Dieses Projekt will für Gießen einen Weg dahin finden und damit auch weitere Kommunen anregen ähnliches zu tun.
Auf kommunaler Ebene sollen Bedingungen untersucht und gegebenenfalls angepasst werden, die Menschen mit Demenz neue Wege zur Teilhabe am alltäglichen Leben eröffnen und damit ihrem drohenden kulturellen und sozialen Ausschluss entgegenwirken.
Unter dem Schlagwort "Demenzfreundliche Kommune" soll somit in Gießen ein kommunales Projekt gestartet werden, das Modell- und Pilotcharakter für andere Kommunen haben kann.
Ziel des Projekts soll sein, den Rahmen und erste praktische Schritte zum Aufbau einer "Demenzfreundlichen Kommune" zu schaffen und Akteure zu finden, die sich der Aufgabe in Gießen weiterhin widmen wollen.
Vernetzung/Aktivierung zivilgesellschaftlicher Ressourcen
Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist die Ausbildung und Belebung zivilgesellschaftlicher Kräfte wesentlich. Angst und Vorbehalt gegenüber einer gesellschaftlich weit verbreiteten Erscheinungsform des hohen Alters könnten dann einer Haltung der Zuwendung weichen.
Unserer Einschätzung nach trifft das Projekt zudem auf ein vielgeäußertes Problem: Wie erfahren die Akteure der vorhandenen Hilfsstruktur voneinander und wie kann auf Dauer Hilfe für Menschen mit Demenz installiert werden, die nicht von institutionellen Kontexten abhängig ist? Gerade in einer Zeit begrenzter institutioneller Ressourcen ist diese Frage brisant.
Deswegen werden in Gießen alle mit Demenz beschäftigten Fachdienste, Institutionen der Altenhilfe, Kirchen, Ehrenamtliche, Vereine sowie Funktionsträger und Mitarbeiter von Einrichtungen, die von älteren Menschen frequentiert werden (also auch aus Handel und Wirtschaft) angesprochen und miteinbezogen. Über die Kontakte der "Aktion Demenz" wird des Weiteren ein Austausch mit anderen Kommunen angestrebt.
Erfolgskriterium
Bei Erfolg des Projekts ist zum Ende des Projektjahres eine Gruppe von Menschen zusammengeführt worden, die auf der Grundlage zivilgesellschaftlichen Engagements die Idee einer "demenzfreundlichen Kommune" zu ihrer Angelegenheit machen will.
Beitrag zur lokalen Nachhaltigkeit
Bislang arbeiten in Gießen viele Menschen ehrenamtlich, professionell oder als Angehörige am Thema Demenz. Das Projekt will dazu verhelfen, den Kontakt zwischen den Helfern vor Ort zu intensivieren, gute Ratschläge und Ideen aufzuspüren und bereits existierende gute Praxis publik zu machen.
Neue Bevölkerungsgruppen sollen für Hilfe und Achtung gegenüber Menschen mit Demenz sensibilisiert und auf Dauer aktiviert werden.
Auftakt
- Einladung zu einem "runden Tisch" aller mit Demenz beschäftigten Fachdienste in Gießen
- Projektvorstellung und Werbung um Unterstützung
- Erfassung des Ist-Zustandes - Wie sieht die Situation von Menschen mit Demenz in Gießen konkret aus?
- Vorstellung der Ziele des Projekts an die Öffentlichkeit
- Gewinnung von Kooperationspartnern/Unterstützern
- Aufklärungsarbeit für einen angemessenen nicht stigmatisierenden Umgang mit Demenzerkrankten und ihren Angehörigen leisten
- Auftaktveranstaltung in Gießen im Mai 2007
- Betroffene zu Wort kommen lassen
- Gesprächsführung mit Funktionsträgern und Mitarbeitern von Einrichtungen, die von älteren Menschen frequentiert werden
- Anregungen geben für Weiterbildungsangebote für Personal
- Ergebnisse der Gespräche, Ideen der Umsetzung und Bereitschaft der Unterstützung werden dokumentiert
- Einbeziehung der Betroffenen
- Organisation eines Workshops für professionelle, ehrenamtliche Helfer, Angehörige, die Beteiligten aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik, sowie Betroffene
- Austausch über die Idee einer demenzfreundlichen Kommune soll ermöglicht und gefördert werden
- Interne Dokumentation der Ergebnisse
- Publizierung dieser Erkenntnisse
- "Runder Tisch" der Beteiligten
- Praktische Umsetzungsschritte und den weiterführenden organisatorischen Rahmen der Initiative bedenken
Beginn, Anlage und Erweiterung eines "Demenz-Verteilers" für Gießen
Vorbereitung, Einladung zum 1. Expertentreffen und Verbreitung von Informationen über das Projekt
Aufruf in Lokalzeitung an Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen Erfahrungsberichte zu übermitteln – erste Eingänge sind zu verzeichnen
31. Januar 2007 – Abhaltung 1. Expertentreffen DfK mit Personen aus dem auf den ersten Blick alltäglichen Umfeld von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, wie z.B. Mediziner, Pflegende, psycho-soziale Betreuer, Ehrenamtliche, usw. Aus Sicht der Stadt, der Pflege, von Angehörigen und der Medizin wurde die Situation in Gießen näher beleuchtet, Anregungen aus benachbarten Kommunen angenommen und diskutiert, Mißstände aufgezeigt und nach Alternativen gesucht. Präsentation der vorläufigen Ergebnisse der studentischen Projektgruppe. Die 30 Anwesenden haben ihr Interesse an einer weiteren Involvierung bekundet und ihre Kontaktdaten für die Erstellung einer Kartographie frei gegeben. Der Aufbau und die Koordination eines Netzwerkes und eine Kanalisation aller vorhandenen Kräfte sind hierbei zielführend.
Sammlung von Ansprechpartnern für das 2. Expertentreffen, Ausweiten der Kontakte, Planung
9. März 2007 - 2. Expertentreffen DfK mit Beteiligten aus Wirtschaft, Dienstleistung und Verwaltung. Es kamen Vertreter eines Kaufhauses, der Polizei, der Krankenkasse, Apotheker.
Planung, Vorbereitung für ein Town Hall Meeting (moderierte Diskussion der Bürger) am 2. Mai 2007 in Gießen
25. April - Darstellung des Projektes auf dem Patientenforum des Uniklinikums Gießen "Demenz – eine Krankheit aber keine Schande"
2. Mai – Das vom Projekt veranstaltete "Bürgerforum Demenz – was können wir in Gießen tun?" ein sogenanntes Town Hall Meeting – hat in Gießen in der Kongresshalle stattgefunden:
- Moderierte Diskussion der Bürger (ca. 50 TN)
- Input: Informationsmaterial, Reden, Experten am Tisch
- Anwesenheit wichtiger Entscheidungsträger (z.B. Herr Oberbürgermeister Heinz Peter Haumann)
- Entwicklung von Ideen
- Verstetigung
23. Mai - Nachtreffen zum Bürger-Forum, wo die Ergebnisse, Erkenntnisse besprochen, gebündelt und für das weitere konkrete Vorgehen ausgewertet wurden.
30. Mai - Vorstellung beim Giessener LOS-Projekt zur altersgerechten Infrastruktur/haulhaltsnahen Dienstleistungen
Überlegungen und Planungen zur Beteiligung an der Aktionswoche "DfK" der Aktion Demenz im Herbst 2007
Mitte Juni wird das Projekt dem Seniorenbeirat der Stadt Gießen präsentiert.
Ergebnis des Bürgerforums, über das in der Presse ausführlich berichtet wurde, ist die Bildung einer Arbeitsgruppe, die sich seitdem regelmäßig trifft. Das Projekt wurde dem Seniorenbeirat der Stadt Gießen vorgestellt. Es erschienen Artikel über die Projektziele in lokalen Blättern und in der Zeitung einer Kirchengemeinde.
Nächstes Ziel ist die öffentlichkeitswirksame Präsentation unserer Forderungen und Ziele während der Aktionswoche Demenz vom 17. bis 23. September. Geplantes Programm:
- Ausstellung von Bildern eines Künstlers, der selbst von Demenz betroffen war. Eröffnung mit Vortrag (Volkshochschule Gießen).
- Schulklasse trifft Altenheim. Es soll ein Film zum Thema Demenz gezeigt werden, die Schüler diskutieren darüber. Ein Gießener Neurologe hält im Rahmen dieses Vorhabens einen Vortrag (AWO-Altenzentrum Gießen).
- Lesung: Erinnern und Vergessen. Literarische Texte zum Thema Demenz.
- Infostand in der Gießener Fußgängerzone. "Knoten im Taschentuch" – was es heißt zu vergessen. Bürger sollen ihre "schönste Erinnerung" auf eine Postkarte schreiben. Diese werden gesammelt und ausgestellt.
- Filmvorführung „Iris“ in einem Gießener Kino.
- Gottesdienst, zu dem Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen eingeladen werden.
Verena Rothe, Charlotte Jurk
- Klein- und mittelständische Unternehmen
- Behinderte
- Politik / Öffentliche Hand
- Einzelhandel
- Sonstige
Erläuterungen:
Sonstige: Wohlfahrtsverbände, Altenpflegedienste, Seniorenbeirat, Alzheimer Gesellschaft, Alteninitiativen in Kirchengemeinden etc.Mobilisierung zivilgesellschaftlicher Kräfte in der Kommune Gießen, die sich zur Aufgabe setzen, ein gutes Leben mit Demenz („Demenzfreundliche Kommune“) mit und für Betroffene zu ermöglichen.
nein
- Bürger initiieren Nachhaltigkeit
Projektträger und Projektbeteiligte
Projektträger
"Aktion Demenz e.V." – Prof. Dr. Dr. Reimer GronemeyerProjektbeteiligte
- Dr. Charlotte Jurk, Projektplanung und Koordination
- Verena Rothe, Leiterin Geschäftsstelle Aktion Demenz, Projektplanung und Koordination
- Studentische Arbeitsgruppe am Institut für Soziologie der Universität Gießen
Laufend seit: 1. November 2006
Voraussichtliches Projektende:
31. Oktober 2007
Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation
- Homepage des Trägers zur Thematik:
www.aktion-demenz.de - Flugblatt zur "Demenzfreundlichen Kommune" allgemein:
PDF-Datei, 2 MB - Prof. Mary Marshall: "dementia-friendly communities"
www.alzscot.org - Broschüre zur “Demenzfreundlichen Kommune”
- Mehrere Artikel zur Thematik und zum 1. Expertentreffen in der Lokalpresse
- Artikel zum 2. Expertentreffen und Bürgerforum in der Lokalpresse und im vierteljährlich erscheinenden Gießener Seniorenjournal
- Berichterstattung in einem Lokalblatt sowie im Lukasboten
- Presseerklärung zum Programm der Aktionswoche vom 17.-23.9.2007
Projektebene / Trägerorganisation
Projektplanung, -durchführung, -koordinationFrau Dr. Charlotte Jurk
Aktion Demenz e.V.
Karl-Glöckner-Str. 21 E
35394 Gießen
Telefon: +49 (0)641/99 23 206
Telefax: +49 (0)641/99 232 19
E-mail: ch.jurk@web.de
WWW: www.aktion-demenz.de
Projektplanung, -durchführung, -koordination
Frau Verena Rothe
Aktion Demenz e.V.
Karl-Glöckner-Str. 21 E
35394 Gießen
Telefon: +49 (0)641/99 23 206
Telefax: +49 (0)641/99 232 19
E-mail: info@aktion-demenz.de
WWW: www.aktion-demenz.de
10.09.2007